Naturschutzgebiet

Schnepfau will Naturschutzgebiet statt Kiesgrube

In der Gemeinde Schnepfau sorgen die Pläne für einen Kiesabbau am Fuße der Kanisfluh für Aufregung. Die Gemeinde will nun das Gebiet unter örtlichen Naturschutz stellen. Rechtlich eine schwierige Sache, sagen Verwaltungsrechtler.

Das Katz- und Maus-Spiel der Firma Rüf soll endlich eine Ende haben, sagt der Schnepfauer Bürgermeister Robert Meusburger. Man wolle nicht länger nur auf die Pläne der Firma Rüf in der Gemeinde reagieren müssen, sondern selbst aktiv werden. Deshalb habe die Gemeindevertretung beschlossen, das geplante Abbaugebiet in der Parzelle Enge unter örtlichen Naturschutz zu stellen. Für uns die einzige Möglichkeit, sich aktiv gegen die Pläne zu wehren, sagt Meusburger.

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Notbremse

Mit einem Natur­schutzgebiet will die Gemeinde Schnepfau nun eine geplante Kiesgrube verhindern. In der Gemeinde Schnepfau werden bereits genug mineralische Rohstoffe abgebaut, sagt Bürgermeister Robert Meus­burger.

Glücklich über diese Vorgehensweise sind wir nicht“, gesteht der Schnepfauer Bürgermeister Robert Meusburger, „wir bevormunden damit unsere Bürger. Aber es ist eine Notbremse.“ Die „Notbremse“ von der Meusburger spricht, ist das Vorhaben der Gemeinde, ein geplantes Kiesabbaugebiet unter örtlichen Naturschutz zu stellen.

Das Bau- und Transportunternehmen Rüf aus Au hat wie berichtet vor, am Fuße der Kanisfluh im Gemeindegebiet von Schnepfau eine Kiesgrube zu errichten, nachdem ein vorheriges Projekt an der L 200 ebenfalls in Schnepfau nicht realisiert werden konnte. Von Anfang an gab es allerdings Widerstand auch vonseiten der Gemeinde.

Vielversprechend. „Wir haben dann abgeklärt, was wir konkret dagegen tun können, da das Gesetz, das zum Tragen kommt, den Gemeinden keinen Spielraum lässt“, erzählt der Bürgermeister. Die Möglichkeit, ein örtliches Naturschutzgebiet zu errichten, kam ins Gespräch und „sie war vielversprechend“. Unterstützung gebe es diesbezüglich auch von der zuständigen Fachabteilung im Land.

Das vorgesehene Gebiet umfasst rund 100 Hektar, in denen auch jene sechs enthalten sind, die von Rüf für den Kiesabbau geplant wären. Der wäre dann in einem Schutzgebiet nicht mehr so ohne Weiteres möglich, erläutert der Bürgermeister. In der Folge wurde ein vierwöchiges Begutachtungsverfahren der geplanten Verordnung eingeleitet. Drei Stellungnahmen dagegen, eine auch mit Beteiligung von Rüf, langten ein. Die übrigen stammten von Grundbesitzern, die es auf dem Gebiet in großer Anzahl gibt. Auch der Bürgermeister selbst besitzt dort einen Grundanteil.

Beim Land. Nach einem Beschluss der Gemeindevertretung liegt der Antrag jetzt beim Land. Erst wenn es grünes Licht vonseiten der Landesregierung gibt, wird die Verordnung rechtskräftig. Wie lange das dauern wird, kann Meusburger derzeit nicht abschätzen. Er hofft auf eine Antwort in den nächsten Wochen.

Dass es in der Region auch in den kommenden Jahren Kies brauchen wird – ein Argument, das immer wieder auftaucht –, weiß auch der Schnepfauer Bürgermeister: „Es geht auch uns um eine Lösung im und für den Bregenzerwald.“ Er gibt aber zu bedenken, dass Rüf in Schnepfau bereits einen Steinbruch betreibt und im Ortsteil Hirschau von einem anderen Unternehmen Kies abgebaut wird. „Unsere Bürger haben den Eindruck, dass man in Schnepfau alles tun kann.“ Da gelte es dann, deren Interessen zu vertreten, sagt Meusburger. Dazu komme aber auch, dass bereits jetzt Rohstoffe aus dem Bregenzerwald exportiert würden: „Wir gewinnen mehr mineralische Rohstoffe, als für den Wald gebraucht werden.“

Von der Firma Rüf gab es ges­tern keine Stellungnahme.

Brigitte Kompatscher
27.06.2017

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NEUE Bericht

Heinz Gorbach Gastwirteobmann

Im Talkessel von Schnepf­au, Hirschau, Mellau soll inmitten des Tourismusgebietes am heiligen Berg der Bregenzerwälder ein Steinbruch errichtet werden. Man fragt sich: Leben die Leute in dieser Talschaft von Steinen oder vom Tourismus? Fressen die Kühe im Wald neuerdings Steinstaub statt Gras? Kann man daraus vielleicht Steinkäse machen? Man fragt sich weiter: Wer kommt auf eine solche Idee? Welch Geistes Kind sind diejenigen, die das betreiben, die das gutheißen, die darin sogar eine Belebung der Region sehen?

Vor allem aber, was denken sich die Politiker, die das gutheißen? Alle Bemühungen und Investitionen der Zimmervermieter, Gastwirte und Hoteliers, die in den vergangenen Jahrzehnten getätigt wurden, werden mit Füßen getreten. Wo sind sie, die Grünen, die Erben des Kaspanaze Simma? Wo sind sie, die Vertreter der Regio Bregenzerwald? Wo bleibt die Solidarität der Bregenzerwälder Bürgermeister? Wo ist der neue Obmann des Wirtschaftsbundes, wo sind die Vertreter des Bregenzerwald Tourismus und der Landespolitik? Höre ich da einen Aufschrei? Leider nein. Es ist zu wenig, schöne Bilder der Kanisfluh in Hochglanzbroschüren zu zeigen und dabei schöne Reden zu halten.

Werden die Bewohner von Schnepf­au, Hirschau und dem auch betroffenen Mellau wirklich alleine gelassen? Wenn ja, ist das beschämend.

VN Bericht

Kiesabbau

Mit Dynamit gegen die Kanisfluh

Spektakuläre und heilige Berge mit hohem Wiedererkennungswert, wie das Matterhorn, der Zuckerhut, der Tafelberg, die heiligen Berge Machu Picchu und der Ayers Rock, sind Identität für ganze Kontinente, ihre Bewohner und Millionen von Besuchern aus aller Welt. Kein noch so skrupelloser Spekulant würde es wagen, diese Monumente mit Dynamit und Kiesbaggern anzugreifen und zu zerstören. Ein weltweiter Aufschrei wäre die logische Folge. Dieses Schicksal, die Zerstörung mit Dynamit und Kiesbaggern, soll aber die Kanisfluh erleiden – Identität für den Bregenzerwald, seine Bewohner und Tausende Besucher. Ein Bild von einem Berg. Ein unverantwortlicher Kiesabbauer will im idyllischen Maisäß Enge am Fuß der Kanisfluh eine riesige Wunde in den Berg schlagen, um Kies in „Kies“ zu verwandeln. Ohne Rücksicht auf Wildtiere, Braunvieh, Singvögel, Radfahrer, Wanderer, Touristen und Bewohner. Im schönen, ruhigen Maisäß meiner Jugendjahre sollen in Zukunft Lärm, riesige Kiesbagger und stinkende Lastwagen das Bild beherrschen. Wer stoppt solchen Irrsinn? Auf meinen Reisen habe ich die Freude in den Gesichtern der Menschen gesehen, auf dem Tafelberg bei Kapstadt, auf dem Zuckerhut in Rio, auf dem Machu Picchu in Peru und in den Sommermonaten beim Sonnenaufgang auf der Kanisfluh, wenn Hunderte Menschen auf dem mystischen Berg auf das beschauliche Maisäß Enge blicken.
Leo Wilhelm,
Tempel, Mellau

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