Heinz Gorbach Gastwirteobmann

Im Talkessel von Schnepf­au, Hirschau, Mellau soll inmitten des Tourismusgebietes am heiligen Berg der Bregenzerwälder ein Steinbruch errichtet werden. Man fragt sich: Leben die Leute in dieser Talschaft von Steinen oder vom Tourismus? Fressen die Kühe im Wald neuerdings Steinstaub statt Gras? Kann man daraus vielleicht Steinkäse machen? Man fragt sich weiter: Wer kommt auf eine solche Idee? Welch Geistes Kind sind diejenigen, die das betreiben, die das gutheißen, die darin sogar eine Belebung der Region sehen?

Vor allem aber, was denken sich die Politiker, die das gutheißen? Alle Bemühungen und Investitionen der Zimmervermieter, Gastwirte und Hoteliers, die in den vergangenen Jahrzehnten getätigt wurden, werden mit Füßen getreten. Wo sind sie, die Grünen, die Erben des Kaspanaze Simma? Wo sind sie, die Vertreter der Regio Bregenzerwald? Wo bleibt die Solidarität der Bregenzerwälder Bürgermeister? Wo ist der neue Obmann des Wirtschaftsbundes, wo sind die Vertreter des Bregenzerwald Tourismus und der Landespolitik? Höre ich da einen Aufschrei? Leider nein. Es ist zu wenig, schöne Bilder der Kanisfluh in Hochglanzbroschüren zu zeigen und dabei schöne Reden zu halten.

Werden die Bewohner von Schnepf­au, Hirschau und dem auch betroffenen Mellau wirklich alleine gelassen? Wenn ja, ist das beschämend.

VN Bericht

Kiesabbau

Mit Dynamit gegen die Kanisfluh

Spektakuläre und heilige Berge mit hohem Wiedererkennungswert, wie das Matterhorn, der Zuckerhut, der Tafelberg, die heiligen Berge Machu Picchu und der Ayers Rock, sind Identität für ganze Kontinente, ihre Bewohner und Millionen von Besuchern aus aller Welt. Kein noch so skrupelloser Spekulant würde es wagen, diese Monumente mit Dynamit und Kiesbaggern anzugreifen und zu zerstören. Ein weltweiter Aufschrei wäre die logische Folge. Dieses Schicksal, die Zerstörung mit Dynamit und Kiesbaggern, soll aber die Kanisfluh erleiden – Identität für den Bregenzerwald, seine Bewohner und Tausende Besucher. Ein Bild von einem Berg. Ein unverantwortlicher Kiesabbauer will im idyllischen Maisäß Enge am Fuß der Kanisfluh eine riesige Wunde in den Berg schlagen, um Kies in „Kies“ zu verwandeln. Ohne Rücksicht auf Wildtiere, Braunvieh, Singvögel, Radfahrer, Wanderer, Touristen und Bewohner. Im schönen, ruhigen Maisäß meiner Jugendjahre sollen in Zukunft Lärm, riesige Kiesbagger und stinkende Lastwagen das Bild beherrschen. Wer stoppt solchen Irrsinn? Auf meinen Reisen habe ich die Freude in den Gesichtern der Menschen gesehen, auf dem Tafelberg bei Kapstadt, auf dem Zuckerhut in Rio, auf dem Machu Picchu in Peru und in den Sommermonaten beim Sonnenaufgang auf der Kanisfluh, wenn Hunderte Menschen auf dem mystischen Berg auf das beschauliche Maisäß Enge blicken.
Leo Wilhelm,
Tempel, Mellau

Quelle

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